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Autorentag mit Nina Miller

About the author: Irene Feichtmeier , Posted on 26. September 2018

Autorentag mit Nina Miller

 

 

Herzlich Willkommen zu unserem heutigen Autorentag.
Dieses Mal haben wir Nina Miller bei uns zu Gast.
Nina hat uns bereits vor Monaten angeschrieben und nach Hilfe bei ihrem Debütroman gefragt. Nachdem sie so sympathisch war, konnten wir natürlich nicht nein sagen..
Aber jetzt wollen wir euch mal nicht länger auf die Folter spannen und starten gleich..

 

 

 

 

Interview

 

BooksweltofLove: Liebe Nina, herzlich Willkommen bei uns! Stelle dich doch kurz unseren Lesern vor! (Wer bist du?, Woher kommst du?, Wie alt bist du?, Was machst du außerhalb des Schreibens?, Was sind deine Hobbies?, usw.)
Nina Miller: Hi, ich freue mich, hier zu sein und bin ganz gespannt auf eure Fragen. Ich bin Nina, bin Mitte 20, habe Anglistik/Amerikanistik studiert und lebe im Ruhrgebiet. Das Schreiben nimmt ein Großteil meiner Freizeit ein – wenn ich nicht gerade tippe, schaue ich wahrscheinlich einen Film oder eine Serie.

BooksweltofLove: Ist Nina Miller dein richtiger Name oder ein Pseudonym? Warum hast du genau dieses für dich gewählt?
Nina Miller: Nina Miller ist ein Pseudonym. Dass ich Nina als Vornamen nutzen werde, war recht schnell klar, aber beim Nachnamen habe ich ziemlich lange überlegt. Irgendwie passte vieles nicht zusammen, war zu lang usw. – irgendwann bin ich dann bei Miller hängen geblieben. Nina Miller. Passt zusammen, liest sich leicht, kann man sich problemlos merken.

BooksweltofLove: Wie bist du zum Schreiben gekommen und wie lange schreibst du schon? Schon seit deiner Schulzeit, oder doch erst seit Kurzem?
Nina Miller: Ach ja, ich würde jetzt gerne wie viele große Autoren antworten, dass ich schon schreibe, seit ich denken kann … Oder so. Aber ich schreibe noch gar nicht so lange. Erst vor 2,5 Jahren habe ich damit angefangen und seitdem kann ich kaum damit aufhören.

BooksweltofLove: Wie lange brauchst du für ein Buch?
Nina Miller: „Bereit zu fliegen“ hat mich jetzt ungefähr zwei Jahre begleitet. Es hat unzählige Überarbeitungen hinter sich, weil es auch meine erste Schreibversuche beinhaltete. Auch musste ich erst meinen Stil finden und ich mache das alles neben meinem Job. Ich hoffe, mein nächstes Buch irgendwann im Laufe des nächsten Jahres fertigzustellen.

BooksweltofLove: Wie sieht dein erstes Projekt aus? Weißt du schon wann es erscheinen wird? Worum wird es gehen? Ist es ein Einzelroman, oder wird es eine Reihe? Mach uns doch mal neugierig 🙂
Nina Miller: Mein erstes Buchbaby heißt „Bereit zu fliegen“ und es wird am 28. September erscheinen, also schon ganz bald. Es hat mich lange begleitet und die Protas liegen mir alle am Herzen – jeder auf seine Art. Am besten zeige ich euch den Klappentext und ich hoffe, er macht euch neugierig: Leona hat eigentlich alles: ein Leben inmitten von Luxus, Exklusivität und High Society, einen ungewöhnlichen Job und Tyler – charismatischer Verlobter und tougher Geschäftsmann. Das muss doch der Stoff sein, aus dem Träume gemacht sind, findet Leona und fragt sich, warum ihr zum großen Glück trotzdem so viel zu fehlen scheint. Doch der Countdown zu ihrer Hochzeit läuft – und dann tritt auch noch Lucas in ihr Leben. Was macht man, wenn der Boden unter den Füßen plötzlich weg ist? Man fällt. Oder man beginnt zu fliegen.

BooksweltofLove: Was müssen deine Protagonisten unbedingt für Eigenschaften besitzen? Was dürfen sie auf keinen Fall verkörpern?
Nina Miller: Meine Protas sollen authentisch sein – dazu gehört auch mal, dass sie Fehler machen/haben und Schwäche zeigen. Mir ist das wichtig, denn es macht sie glaubwürdig und menschlich.

BooksweltofLove: Du schreibst ja nun Liebesromane. Hast du Lust mal in ein anders Genre zu wechseln? Welches wäre es?
Nina Miller: Ich fühle mich in meinem Genre sehr wohl. Ich bewundere auch Leute, die einen Thriller schreiben können, der die Leser bis auf die letzte Seite die Fingernägel abknabbern lässt. Aber bevor ich einen Thriller schreibe, müsste ich erst mal einen lesen – ich schaue eher Thriller 😉

BooksweltofLove: Mit wem würdest du gerne mal ein Buch schreiben? Warum genau mit dieser Person?
Nina Miller: Mit Sophie Kinsella, weil ich ihren Humor in den Büchern liebe. Mit ihr hätte ich bestimmt viel zu lachen.

BooksweltofLove: Wie kommst du auf die Story? Was inspiriert dich dazu?
Nina Miller: Klingt komisch, aber die Story kommt zu mir. Die ist plötzlich in meinem Kopf und dann nimmt sie Form an. Und alles drum herum, wie die Ausarbeitung der Charaktere, einzelne Szenen etc. passiert sicherlich auch bewusst und unbewusst durch den Alltag.

BooksweltofLove: Wie sieht dein Arbeitsplatz aus? Gibt es dazu noch einen Platz an dem du am liebsten schreibst?
Nina Miller: Ich schreibe am liebsten zu Hause am Schreibtisch. Ich habe mal versucht, an meinem Laptop im Bett zu tippen, aber irgendwie war das nichts. Und woanders, wie im Café, kann ich auch nicht schreiben. Da notiere ich höchstens mal schnell eine Idee.

BooksweltofLove: Was brauchst du unbedingt beim Schreiben? Musik? Schokolade? Oder hast du sonst irgendwelche Rituale, die unbedingt eingehalten werden müssen?
Nina Miller: Ich schreibe immer zu Hause im Jogger mit messy bun. Meistens höre ich dabei Musik über Kopfhörer und kann alles um mich herum ganz gut ausblenden. Ein Getränk habe ich auch meistens dabei. Was Süßes gibt’s nur in den Pausen – als Belohnung und weil es sonst an den Fingern klebt und somit auch anschließend an der Tastatur 😉

BooksweltofLove: Plottest du deine Bücher oder schreibst du einfach drauf los?
Nina Miller: Ich setze auf Kopfkino. Ich muss die Szene zuerst im Kopf haben, dann setze ich mich hin und dann wird erst mal alles runter geschrieben, völlig unstrukturiert und ohne Beachtung der Groß- und Kleinschreibung. Danach überarbeite ich zum ersten Mal, damit ich später überhaupt noch weiß, was ich damit sagen wollte. Oft brechen die Figuren dann beim Schreiben aus und entwickeln ein Eigenleben, aber das ist okay. Trotzdem muss ich vorher ungefähr wissen, was in der Szene passieren soll, ansonsten komme ich schlecht rein.

BooksweltofLove: Möchtest du mit deinen Büchern etwas Bestimmtes ausdrücken oder deinen Lesern weitergeben?
Nina Miller: In erster Linie sollen die Leute das Leben meiner Protas kennenlernen und mit ihnen lachen, mitleiden und sich mitfreuen. Natürlich steckt auch immer eine Botschaft in meinen Büchern, aber die darf jeder Leser selbst für sich deuten 🙂

BooksweltofLove: Du veröffentlichst dein erstes Buch als Selfpublisherin. Hast du vor dich auch bei Verlagen zu bewerben?
Nina Miller: Ich schätze auch Verlage und war letztes Jahr mit drei Verlagen im Gespräch, aber ich werde mich nicht mehr aktiv bei Verlagen bewerben. Ich habe mein eigenes Team aufgestellt mit Leuten, auf die ich mich verlassen kann, bin super happy damit und freue mich auf die nächste Zusammenarbeit.

BooksweltofLove: Als Selfpublisherin muss man sich um alles alleine kümmern. Wie ist das denn bei dir? Wie läuft es ab? Vom Schreiben bis zur Veröffentlichung.
Nina Miller: Richtig, als Selfpublisherin kümmert man sich um alles selbst. Man trägt für alles die Verantwortung. Je nachdem, wie gut man sich organisieren kann, ist das Fluch oder Segen. Ich liebe es, lebe aber auch jeden Tag mit To-Do-Listen und bin ein strukturierter und disziplinierter Mensch. Als ich meinen Roman fertig hatte, habe ich ihn erst mal an ein paar Testleser geschickt, um zu schauen, wie die Story ankommt. Dann überarbeite ich auf Grundlage des Feedbacks wieder, die Testleser schauen teilweise nochmal drüber. Dann habe ich mir Profis gesucht – Lektorat, Korrektorat und eine Coverdesignerin. Spätestens jetzt sollte auch langsam das Marketing anfangen – meins hat schon viel früher begonnen, weil ich die Befürchtung hatte, keine Blogger zu finden, die mein Debüt lesen würden. Ach ja, und der Buchsatz kommt am Ende noch.

BooksweltofLove: Wo kann man signierte Bücher von dir erwerben?
Nina Miller: Bisher kann man sie nur gewinnen. Oder man sieht sich im „real life“, dann signiere ich gerne alles.

BooksweltofLove: Welche wird deine erste Messe als Autorin sein? Freust du doch schon auf deine Leser? Oder bist du dann doch lieber in den sozialen Medien unterwegs, weil du schüchtern bist?
Nina Miller: Bisher ist leider keine Messe geplant. Würde mich schon freuen, meine Leser mal kennenzulernen und auch mal eine Stimme zu den Accounts zu hören. Vielleicht mal irgendwann … Bis dahin kommunizieren wir über soziale Medien. 😉

BooksweltofLove: Und jetzt kommen noch ein paar Fragen, damit die Leser dich besser kennenlernen können:
Tee, Kaffee oder Schoki? Nina Miller: Schoki.
Sommer oder Winter? Nina Miller: Sommer.
Strand oder Berge? Nina Miller: Strand.
Sportass oder Couchpotato? Nina Miller: Couchpotato.
Vanille oder Schoko? Nina Miller: Schoko.
Frühaufsteher oder Morgenmuffel? Nina Miller: Frühaufsteher.
Zettelfritze oder Ordnungsfanatiker? Nina Miller: Ordnungsfanatiker.
Schwarz oder Bunt? Nina Miller: Bunt.

Jetzt noch ein paar „Lieblings“-Fragen
Lieblingsbuch? Nina Miller: Unter anderem auf jeden Fall die Harry Potter Reihe.
Lieblingsfilm? Nina Miller: Unentschieden zwischen „Shutter Island“ und „The Wolf of Wall Street“.
Lieblingsschauspieler/in? Nina Miller: Leonardo DiCaprio, Jennifer Lawrence.
Lieblingsfarbe? Nina Miller: Rosa.
Lieblingsessen? Nina Miller: Pizza, Burger.
Lieblingskuchen? Nina Miller: Käsekuchen.
Lieblingseissorte? Nina Miller: Stracciatella.
Lieblingssüßigkeit? Nina Miller: Toffifee, Pombären.
Lieblingsgetränk? Nina Miller: Cola, Eistee.
Lieblingssportart? Nina Miller: Yoga.
Lieblingsurlaubsort? Nina Miller: USA.
Lieblingsjahreszeit? Nina Miller: Sommer.
Lieblingsspruch/motto? Nina Miller: Dream big.
Lieblingsvorbild? Nina Miller: Keins. Irgendwann habe ich mal gelesen: „Sei du selbst. Alle anderen gibt es schon.“ Ich denke, da ist was dran.

BooksweltofLove: Was liest du privat gerne? Hast du überhaupt Zeit zum Lesen?
Nina Miller: Seit ich schreibe, habe ich leider kaum mehr Zeit zum Lesen, weil ich einen Vollzeitjob habe und fast jede freie Minuten fürs Schreiben draufgeht. Aber das ist okay, denn dafür schlägt mein Herz 😉

BooksweltofLove: Wovor hast du Angst? Bist du die typische Frau, die Angst vor Spinnen hat?
Nina Miller: Toll finde ich Spinnen auch nicht, aber Angst habe ich viel mehr vor Dingen, die ich nicht kontrollieren kann, wie beispielsweise Krankheiten, Verluste usw.

BooksweltofLove: Was würdest du alles mit auf eine einsame Insel nehmen? Wir erlauben dir 5 Sachen.
Nina Miller: Notizbuch, Stift, Musik, Käsekuchen, Kakao. Ist übrigens alles lebensnotwendig 😉

BooksweltofLove: Der Herbst kommt nun doch langsam oder sicher… was bereitet dir dabei Freude?
Nina Miller: Ich freue mich, meine Sommerklamotten in den Schrank hängen zu können und endlich wieder Schals, Mützen usw. zu tragen. 🙂 Und ich freue mich darauf, mich abends gemütlich mit einem heißen Getränk aufs Sofa zu setzen und einen Film zu schauen, während es draußen stürmt.

BooksweltofLove: Was ist dein größter Traum?
Nina Miller: Einen Traum erfülle ich mir gerade selbst, indem ich mein erstes Buch veröffentliche 🙂 Ansonsten möchte ich unbedingt mal einen Koala streicheln, in Australien tauchen und nochmal eine Rundreise entlang der Westküste in den USA machen – inklusive Disneyland und der Space Mountain Achterbahn. Und noch tausend andere Dinge – dream big. 🙂

BooksweltofLove: Was sagen denn deine Familie und Freunde zu deinem Autorendasein? Freuen sie sich und sind stolz, oder gibt es welche, die mit Lesen und Schreiben nichts am Hut haben?
Nina Miller: Aus meinem Umfeld reagieren alle sehr positiv aufs Schreiben. Alle finden es interessant, dass ich solch ein Hobby habe und verfolgen es gespannt. No pressure …

BooksweltofLove: Thema Blogger. Hast du ein festes Team um dich herum, oder dürfen Blogger dich einfach kontaktieren? Was bedeutet für dich die Zusammenarbeit mit Bloggern?
Nina Miller: Natürlich dürfen mich Blogger kontaktieren. Das ist sogar jetzt, wo ich erst mein Debüt rausbringe, schon passiert und ich fühle mich jedes Mal echt geehrt, weil ich weiß, wie viele Bücher es gibt und wie viele Anfragen Blogger haben. Ich freue mich immer, neue Blogger kennenzulernen und ich bin total dankbar, dass es so viele Menschen gibt, die mich von Anfang an so unterstützt haben, obwohl ich Newcomerin bin und die Blogger teilweise noch keine einzige Zeile von mir gelesen hatten. Ich schätze die Zusammenarbeit mit Bloggern, weil ich weiß, dass sie genauso viel Herzblut in ihre Arbeit stecken, wie ich als Autorin. Ich denke, es ist ein Geben und Nehmen und ich bin auch immer froh, den Bloggern etwas zurückgeben zu können, beispielsweise wenn es jetzt wieder um die Adventskalender geht, die die Blogger für ihre Leser zusammenstellen, und ich dann einen Gewinn beisteuern kann.

BooksweltofLove: Was sollten die Leser unbedingt noch von dir wissen?
Nina Miller: Habt ihr noch keine Überdosis? 😉 Wenn ihr noch was wissen wollt, schreibt mir einfach – ich freu mich.  

BooksweltofLove: DANKE, dass du dich so tapfer geschlagen hast 🙂
Nina Miller: Sehr gern! Die Fragen waren abwechslungsreich und es hat Spaß gemacht – ich hoffe, euch beim Lesen auch!

 

 

Buchvorstellung

 

Bereit zu fliegen

Leona hat eigentlich alles: ein Leben inmitten von Luxus, Exklusivität und High Society, einen ungewöhnlichen Job und Tyler – charismatischer Verlobter und tougher Geschäftsmann. Das muss doch der Stoff sein, aus dem Träume gemacht sind, findet Leona und fragt sich, warum ihr zum großen Glück trotzdem so viel zu fehlen scheint. Doch der Countdown zu ihrer Hochzeit läuft – und dann tritt auch noch Lucas in ihr Leben. Was macht man, wenn der Boden unter den Füßen plötzlich weg ist? Man fällt. Oder man beginnt zu fliegen.

 

 

 

 

Prolog zu „Bereit zu fliegen“

 

Sechs Jahre zuvor

Er rempelte mich an. Oder möglicherweise rempelte ich ihn an. Rückblickend kann ich das nicht mehr genau sagen. Ich weiß nur noch, dass es ein Freitag war, als Tyler in mein Leben trat. Besser gesagt, in mein Leben stolperte. Das Erste, das in meinem Sichtfeld erschien, waren seine Oberarme. Muskulöse Oberarme. Für einen Moment verschlug es mir die Sprache. Der Mann vor mir war sehr groß, athletisch, mit dunklen Haaren. Er verzog keine Miene, sein Blick fixierte mich. Die Zeit schien für uns beide stillzustehen, weil wir unfähig waren, die Augen voneinander zu lösen. Er sah gut aus. Verdammt gut. Seine Haut war gebräunt, als hätte er die letzten drei Wochen am Strand von Malibu verbracht. Seine Mundwinkel zuckten, dann lächelte er mich an. Ein charmantes, entwaffnendes Lächeln, das keinen klaren Gedanken zuließ. Mein Blick blieb fasziniert an seinen weißen Zähnen hängen.

So ein Mann? In San Francisco? In meiner Lieblingsbar am Fisherman’s Wharf?

«Sorry», murmelte er. Er schien auf eine Reaktion meinerseits zu warten, aber ich schwebte irgendwo in einer Sphäre, die seine Worte nicht erreichen konnten. Erst als er die Augenbrauen zusammenzog und mich kritisch musterte, reagierte ich.

«Was?» Ja, sehr geistreich.

«Tut mir leid, dass ich dich angerempelt habe», wiederholte er geduldig. «Und … dafür.» Er zeigte auf meine Bluse.

Es dauerte eine gefühlte Ewigkeit, bis ich verstand, was er meinte. Was war eigentlich los mit mir?

«Na, vielen Dank auch», blaffte ich ihn an, während ich mein tropfnasses Oberteil betrachtete. Dafür war das Glas in seiner Hand fast leer. Erst jetzt stieg mir der widerlich stechende Biergeruch in die Nase und ich hätte mich fast übergeben. Meine Bluse war vollkommen durchnässt und klebte an meinem Körper, so dass sich mein BH abzeichnete. Ich hätte in Unterwäsche vor ihm stehen können – es hätte keinen Unterschied gemacht.

Meine Augen verengten sich zu Schlitzen und ich warf ihm einen vernichtenden Blick zu. Eigentlich wären keine weiteren Worte nötig gewesen, mein Gesichtsausdruck war eindeutig.

«Sorry, ich bringe das wieder in Ordnung», stammelte er und machte eine ausschweifende Handbewegung, die seine Hilflosigkeit verriet. Er lallte leicht. Wieso war er denn bereits am frühen Abend angetrunken? Ich konnte es kaum fassen.

«Nein, lass gut sein!» Ich strich mir einige schwarze Haarsträhnen aus dem Gesicht, zog aber sofort angeekelt meine Hand zurück. Selbst an den Fingerspitzen hatte ich Bier kleben. Alles stank nach dem Zeug.

Einen genervten Seufzer konnte ich nicht unterdrücken. «Mach nächstes Mal einfach die Augen auf!»

Beschwichtigend hob er die Arme. «Ganz ruhig, das war keine Absicht. Ich bezahle dir die Reinigung, in Ordnung? Es ist nur Bier, das geht wieder raus.»

Nur Bier? Was hieß hier nur?

«Sehe ich so aus, als könnte ich mir keine Reinigung leisten, oder was?»

Ich wartete seine Antwort nicht ab, sondern ging zügig an ihm vorbei.

Er hielt mich am Handgelenk fest. Schokobraune Augen blickten in dunkelgrüne Augen. Nachdem er tief eingeatmet hatte, sagte er mit fester Stimme: «Hör zu, es tut mir leid.»

«Ich muss jetzt nach Hause!», erklärte ich ihm. «So kann ich ja wohl kaum zur Arbeit gehen! Oder denkst du, es gibt bei uns einen Wet-T-Shirt-Contest?»

Daraufhin lockerte er seinen Griff. «Kommt auf deinen Arbeitsplatz an. Du hättest jedenfalls gute Chancen, das Ding zu gewinnen.» Er zeigte wieder sein tolles Lächeln, aber dieses Mal ließ ich mich davon nicht blenden. Solche Typen waren gefährlich. Ja, solche Männer verarschten Frauen viel zu oft. Frauen wie mich, die sich von einem tollen Aussehen täuschen ließen und am Ende darüber heulten, wie schrecklich ungerecht diese verdammte Welt war.

Ich entriss ihm meinen Arm und stolzierte an ihm vorbei. Er rief noch etwas, aber ich drehte mich nicht mehr um.

***

Keine 30 Stunden später begegnete ich ihm erneut.

Während meine Freundinnen mit irgendwelchen Typen auf der Tanzfläche waren, saß ich an der Bar eines überfüllten Nachtclubs, als mich eine plötzliche Bewegung neben mir zusammenzucken ließ. Ein Typ mit Dreadlocks nahm auf dem Hocker neben mir Platz. Besser gesagt, er versuchte Platz zu nehmen, denn er fiel beinahe auf den Tresen und hätte sich dabei vermutlich alle Zähne ausgeschlagen. Kurz bevor es zur Katastrophe kam, stützte er sich noch mit letzter Kraft an der Kante ab und winkte mehr oder weniger elegant den Kellner zu sich heran.

«‘nen Sylvan Gin», forderte Mister Dreadlocks. Ich sah, wie er beim Reden ein wenig spuckte und sein Speichel landete direkt neben meinem nackten Unterarm. Sehr appetitlich! Der Typ war so durchgeschwitzt, dass sein Shirt unter den Armen dunkle Flecken hatte. Ungeduldig tippte er mit seinen Fingern auf den Tresen, dann hob er seinen Blick und sah mich an. Verdammt. Prompt schaute ich weg, aber es war zu spät. Er rückte ein Stück näher zu mir heran.

«Meine Frau ist mit meinem besten Kumpel durchgebrannt», rief er mir ins Ohr. Die Musik dröhnte so laut, dass der Boden vibrierte. Damit ich seine Worte bei dem Lärm überhaupt verstehen konnte, musste er das Gesicht nahe an mein Ohr bringen. Viel näher, als mir lieb war.

Plötzlich berührte jemand meinen Rücken. Ich drehte mich um und da stand er wieder vor mir. Der Typ, der gestern großzügig sein Bier auf meiner Bluse verschüttet hatte. Er lehnte sich an den Tresen, dann trank er einen Schluck von meiner Cola.

«So sieht man sich wieder», rief er mir grinsend zu. Er benahm sich so ungezwungen, als wäre gestern nichts weiter passiert. Ich sah ihn mit zusammengekniffenen Augen an, aber er ließ sich nicht aus der Ruhe bringen.

«Deinem Blick nach zu urteilen hast du mich nicht vergessen.»

«Es wundert mich eher, dass du dich noch an mich erinnern kannst, nachdem du gestern kaum noch gerade stehen konntest», erwiderte ich spöttisch und verschränkte die Arme vor der Brust.

Er lehnte sich zu mir herüber. «Ach, so betrunken war ich doch gar nicht. Vielleicht ein wenig. Aber um dich zu vergessen, ist deutlich mehr nötig.» Bevor ich eine Möglichkeit hatte, genauer nachzufragen, redete er schon weiter. «Du siehst gelangweilt aus. Komm, ich fahre dich nach Hause. Ich schulde dir noch was.»

«Ich kenne dich doch gar nicht», entgegnete ich.

«Ich bin Tyler.» Amüsiert sah er mich an. «Jetzt kennst du mich. Außerdem – was ist denn deine Alternative? Dich vollheulen zu lassen? Weiter an deiner warmen Cola zu nippen? Los geht’s.» Und damit drückte er sich vom Tresen ab und steuerte bereits den Ausgang an, ohne sich noch einmal umzudrehen.

Mister Dreadlocks neben mir ergriff seine Chance und rückte prompt wieder ein Stück näher, um mir weiter sein Leid zu klagen. Unweigerlich musste ich daran denken, wie er gerade beim Sprechen gespuckt hatte. Vermutlich gab das den Ausschlag, Tylers Angebot anzunehmen. Ruckartig stand ich auf und verließ den Club. Tyler schien davon auszugehen, dass ich ihm folgte, denn er drehte sich erst um, als wir seinen silbernen Volvo auf dem Parkplatz erreicht hatten. Er entriegelte den Wagen und öffnete mir die Beifahrertür. Unsicher begutachtete ich das Wageninnere, aber es sah alles ganz normal aus. Mir fiel nichts Verdächtiges ins Auge. Tyler wartete darauf, dass ich einstieg, aber ich zögerte.

Wollte ich mich wirklich von einem wildfremden Kerl heimfahren lassen? Wer wusste schon, was in seinem Kopf so vor sich geht …

Ich verlagerte mein Gewicht von einem Bein auf das andere. Noch konnte ich umkehren.

«Moment, ich zeig dir was», meinte Tyler. Er schlug die Beifahrertür wieder zu und öffnete den Kofferraum. «Siehst du: keine Waffen, keine K.-o.-Tropfen oder Ähnliches.» Er schien meine Ängste förmlich spüren zu können. «Ich will dich einfach nur nach Hause bringen.»

Ich entdeckte eine dunkle Tasche.

«Was ist das?», fragte ich.

Sichtlich verwirrt blickte er mich an. «Was ist was?»

«Die Tasche dort.» Ich deutete mit meinem Finger darauf.

«Meine Sporttasche.»

«Und was ist da drin?»

«Na, meine Sportsachen.» Für einen Moment hielt er inne, offenbar bemüht, ernst zu bleiben. «Ist das ein Test, oder so?»

Ich ließ seine Frage unbeantwortet.

«Mach sie auf.»

Er lachte leise in sich hinein, dann griff er nach der Tasche und zog den Reißverschluss auf. Skeptisch prüfte ich den Inhalt – Trinkflasche, Sportschuhe, T-Shirt und eine kurze Hose. Es war fast schon langweilig und trotzdem konnte ich meine Augen nicht von der Tasche lösen.

«Willst du noch daran riechen, damit du mir glaubst?» Er sagte es so trocken, dass ich fast losgelacht hätte, aber ich biss mir auf die Zunge und versuchte, keine Miene zu verziehen.

«Nein, wir können fahren», entschied ich. Tyler öffnete mir erneut die Tür und lief dann ums Auto, um sich hinters Lenkrad zu setzen.

Sein Fahrstil war viel zu rasant, aber ich ignorierte das in dem festen Glauben, dass es ohnehin meine einzige Fahrt mit ihm sein würde.

Wie hätte ich auch ahnen können, dass ich in dieser Nacht dem Mann begegnet war, der mich in eine völlig andere Welt hineinziehen würde? In ein Leben, das mir bis dahin fremd war und das für mich heute mehr Fluch als Segen ist?

 

 

*****

 

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Wir hoffen, dass wir euch die liebe Nina und ihren Debütroman etwas näher bringen konnten!
Euer Team von Bookswelt of Love

 

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